Sicherlich ist es nicht einfach, konkret aufzuzeigen, wie sich die Zukunft entwickeln kann. Es hängt letzten Endes auch sehr stark davon ab, welche Maßnahmen von politischer Seite auch zur Reaktion auf die derzeitige Weltkrise noch weiter getroffen werden. Wir plädieren hier für einen 7 Punkte Plan, deren weitere Ausarbeitung sich in dem Buch Dirk Solte: „Weltfinanzsystem in Balance – Die Krise als Chance für einen nachhaltige Zukunft“ befindet, veröffentlicht ist.
Die Inflationsgefahr wurde bereits im Buch Dirk Solte: „Weltfinanzsystem am Limit – Einblick in den „Heiligen Gral“ der Globalisierung“ aufgezeigt. Die Gefahr rührt letztendlich aus dem derzeitigen Missverhältnis von Finanzvermögen insgesamt in Relation zu dem Bruttoinlandsprodukt, sowie dem Missverhältnis zwischen Finanzvermögen insgesamt und gesetzlichem Zahlungsmittel (Zentralbankgeld). Dies wurde auch in der Analyse „Die Reise nach Jerusalem“ ausgeführt. Die momentanen Reaktionen auf der politischen Ebene laufen in dem darin gewählten Bild des „Spiels der Spiele“ darauf hinaus, weitere „Stühle in Spiel zu bringen“, nicht aber dafür zu sorgen, dass „die Musik wieder spielt“. Diese Kurzfristliquidität, die in die Märkte gebracht wird, läuft nicht um, sondern das zusätzlich angebotene Zentralbankgeld wird von den Akteuren vermutlich „über Nacht“ wieder in Staatsschuldverschreibungen gewandelt, die grundsätzlich bei den Zentralbanken als geeignete erste Klasse Papiere für eine RePo-Refinanzierung zugelassen sind. D. h. das Volumen an Kurzfristliquidität wächst – um im Bild zu bleiben – „mit jedem weiteren Stuhl, der ins Spiel gebracht wird.“ Bisher läuft diese Liquidität aber nicht um. Das ist ein wesentlicher Grund für die deflationierenden Wirkungen, d. h. es wird nicht gekauft, die Liquidität „lauert“ auf die attraktiven Filetstücke, die aufgrund der zu erwartenden Zahlungsunfähigkeit „interessanter“ Unternehmen dann im Rahmen von sogenannten „Fire sales“ (Notverkäufe unter Preis) auf den Markt kommen. Dies kann man aktuell z. B. bei Schaeffler/Conti und bei der Merckle Gruppe verfolgen. In Konsequenz wird das dazu führen, dass die Liquidität und die realen Werte in ein kleineres gesellschaftliches Segment wandern. Ein größeres gesellschaftliches Segment wird dabei ein entsprechendes Vermögen verlieren. Dieses Szenario wird mit dem Begriff „Brasilianisierung“ trefflich beschrieben. Diese Zukunft bedeutet letztendlich nichts anderes ist als eine Art weltweite Feudalstruktur. Die Gesellschaft teilt sich in zwei Segmente auf. Hier mag es durchaus sein, dass es im Konsumsegment der verarmenden Gesellschaft zu keiner signifikanten Inflation kommt, solange man hier die Produkte für diese ärmere Bevölkerungsschicht, also insbesondere das Produktangebot der Discounter, betrachtet. Dies hängt möglicherweise entscheidend davon ab, ob auf globaler Ebene signifikante protektionistische Maßnahmen der Nationalstaaten verhindert werden können, so dass es nicht beispielsweise auch im Nahrungsbereich zu Engpass-Situationen kommen kann, die auch dann für die so knapp werdenden Güter die Preise treiben werden. Das reiche, das Elitesegment, hat diese Probleme nicht. Und wenn der Markt, wenn sich die Unternehmen erst einmal auf diese auseinander gedriftete Gesellschaftsstruktur eingestellt haben, gibt es ein entsprechendes exklusiveres Segment, das – sozusagen – untereinander Handel treibt und diesen Teilmarkt von dem anderen Markt schon allein über die Preise abgrenzt. Dieses reiche Teilsegment der Gesellschaft hat dann eine enorme Menge an Liquidität, dem eine entsprechend begrenzte Produktions- und Abnahmekapazität gegenüber steht und hier wird es dann entweder im Konsumsegment oder aber im Vermögenssegment zu einer entsprechenden Inflation kommen. Dies hängt ganz davon ab, welche Mengen an Liquidität in den unterschiedlichen Märkten
- Wertschöpfung,
- Sachvermögen und
- Finanzmarkt
dann „gebunden sein werden“ (Details finden sich in dem Buch Dirk Solte: „Weltfinanzsystem am Limit“).
Aus heutiger Sicht ist es noch offen, welche Zukunft wir zu erwarten haben. Es ist also noch nicht klar, ob wir den Weg in die Brasilianisierung weiter gehen (so wie bisher), ob es einen Kollaps gibt oder ob nicht doch die richtigen Weichen für eine balancierte Welt gestellt werden. Die Diskussionen nehmen momentan mehr zu, die die Chance für ein global abgestimmtes gemeinsames Handeln betreffen. Problem- und Lösungsbeschreibung finden sich zusammen im Text „Die Krise als Chance“.
