Es ist doch ein Unding, dass sich der Staat verschulden muss, um die hegdefondartigen Geschäftsbanken zu retten, und diese Schulden zum großen Teil genau bei diesen Banken macht!
Der Staat hat ja bereits eine Bank, die Zentralbank. Die Staaten des Euroraumes haben sich nur verpflichtet (hätten das aber, wie z. B. England, nicht machen müssen) NICHT bei dieser Zentralbank Schulden zu machen. Der Staat produziert aber (in Form von Münzen) sogar selbst (eingeschränkt gültiges) Zahlungsmittel. Auch "kleinere" Einheiten des Staates, z. B. Kommunen und Länder, haben ihre eigenen Banken. Es sind Sparkassen und Landesbanken. Da dürfen sich die öff. Hände verschulden (und machen dies auch). Eine Sparkasse "kauft" dabei z. B. eine Bundesobligation (Staatsschuldverschreibung) und "bezahlt" mit selbst produziertem "Sparkassengeld", einer Kontogutschrift. Es gibt dann noch spezielle Banken, die quasi "als Stellvertreter" des / der Staaten Schulden machen und selber Kredite vergeben. Auf europäischer Ebene z. B. die Europäische Investitionsbank.
Bei allen diesen Verschuldungen ist immer das folgende Problem gegeben: Welches Geld, also welcher Typ von Geld - Zentralbankengeld, Sparkassengeld, Bundesobligationen etc. wird breit als Zahlungsmittel akzeptiert. Wenn z. B. Bundesobligationen von jedem als "so gut wie Bargeld" akzeptiert würden, wäre eine Bank ja nicht nötig. Man muss sich immer die folgende Sicht vor Augen halten: EIN KREDIT - also die Schuld des Schuldners, "verbrieft", indem diese Schuld auf einem Blatt Papier niedergeschrieben wird - IST GELD. Dieser Schuldschein ist das Geld. Und wenn es akzeptiert wird, braucht man sich bei einer Bank kein anderes Geld im Tausch dafür zu besorgen.
Die Frage ist also immer: Welche Schuldscheine werden akzeptiert. Denn bei uns herrscht Vertragsfreiheit. Niemand ist gezwungen im Tausch gegen Waren oder Dienstleistungen Bargeld anzunehmen. Man kann auch auf eine Bezahlung mit irgendetwas anderem bestehen (dann ist allerdings die Frage, ob ein anderer die Ware oder Dienstleistung einkaufen will).
Wenn also ein Staat sich immer mehr und immer mehr verschuldet, will möglicherweise niemand mehr dessen "Zettel" als Bezahlung haben. Da hilft auch keine "eigene Bank" über die der Staat die Verschuldung realisiert. Denn von dieser Bank will dann bestimmt auch keiner mehr die Zettel (also die Bankzettel). Das war ja auch vor zwei Jahren (und bei früheren Krisen) das Problem. Die Menschen wollten keine "Bankzettel" mehr, sondern Bargeld. Daher kam es zum Bankenrun. Die Menschen wollten ihre "Guthaben" (das sind die Bankenzettel) "abheben", das heißt sie wollten Bargeld. Sie wollten ihren Banken keine Kredite mehr gewähren.
Kredit gewähren bedeutet, als Bezahlung für irgendetwas, was man hergibt, einen Schuldschein akzeptieren. Bankengeld schöpfen bedeutet daher, das der Bank ein Kredit gewährt wird. Der Schuldschein, der dabei entsteht, ist das Bankengeld (z. B. in Form eines Kontoguthabens bei der Bank).
Details finden sich im Buch „Weltfinanzsystem in Balance. Die Krise als Chance für eine nachhaltige Zukunft.“ Wichtig ist im Zusammenhang mit der gestellten Frage noch, die folgende Sichtweise einzunehmen: Man macht Schulden. Man verschuldet sich. (aber nicht notwendigerweise BEI jemandem). Die Schuld ist verbrieft als Schuldschein. Und dieser Schuldschein IST GELD. Man schuldet dem Besitzer dieses Schuldscheins etwas (bei Fälligkeit).
Damit ist es nicht verwunderlich, das der Staat, wenn er eine Bank "rettet", genau bei dieser Bank verschuldet ist. Er gibt der Bank ja (als neue Vermögenskomponente) letztlich nichts anderes als einen eigenen Staatsschuldschein. Wenn man hier also etwas anderes möchte, muss man das, was man der Bank (zur Rettung) gibt, von jemand anderen zuvor einsammeln. Deshalb plädieren wir für einen "Sicherungsfonds", der von allen Finanzmarktakteuren gemeinsam getragen werden sollte. Dieser Fonds könnte sowohl Liquidität (Zentralbankengeld) als auch Eigenkapital bereitstellen. Hierzu müsste aber "Überhangliquidität" im Finanzsystem vom Fond zuvor eingesammelt werden (=> Maximalreserveverpflichtung für alle Finanzakteure) und eine Rücklage als Vermögen gebildet werden (=> "Mehrgeldsteuer / Schwellgeldsteuer / leverage money tax", die KEINE TOBIN-tax ist sondern einen Produkt- und Lenkungssteuer!!!!!!!)
